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Mein geheimes Ich

Saskias Adventskalender - einen Mann im Griff haben - nackter Oberkörper Männer

Eigentlich überwog die Vorfreude, am nächsten Tag wieder in heimischen Gefilden zu weilen. Immer noch unbeachtet blieben die Päckchen im Kleiderschrank, nur das mit der Nummer 24 lockte. Das Letzte dieses Adventskalenders. Klein und mit einer wunderschönen Schleife verziert.


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Heraus fielen ein seidiges Kleid, durchsichtig und ein Traum, sowie ein Brief. Auch dieser ein Letzter. Wehmut schlich sich in mein Herz. Mein mysteriöser Gönner begann mir schon jetzt zu fehlen, ohne ihn je kennengelernt zu haben. Mein geheimes Ich, das mir die Wünsche erfüllte, die ich mich nie gewagt habe zu erleben. Sie waren Wirklichkeit geworden.


Gastbeitrag © Copyright Doris Anbetracht


»Liebe Saskia,

Dein letzter Brief, dein Türchen 24 ist geöffnet. Weihnachten. Du hättest die Pakete zuhause lassen können, wenn sie ungeöffnet im Kleiderschrank verweilen. Aber zu deiner Beruhigung, in ihnen war nichts, was du dir nicht von dir aus erfüllt hast. Vielleicht die Nummer 20, ach, vergessen wir es. Falls du sie suchen solltest, die Tage vergingen, sie zerfielen mit dem heutigen Tage zu Staub. Wie gewonnen, so zerronnen.

Du wirst neugierig wissen wollen, was dir der heutige Tag bringen wird.

Du suchst die Liebe. Du kannst sie finden. Auf eine besondere Art und Weise. Wähle gut aus, es existiert nur eine Chance. Sie wird dir ungewöhnlich erscheinen, aber glaube mir, das Ergebnis enttäuscht dich nicht, bei der richtigen Wahl.

Selbstzweifel

Du hast dich den kompletten Dezember bis heute gefragt, wer ich bin. Du kennst mich. Dennoch werde ich dir nie verraten, wie ich aussehe und wie ich Kenntnis von all deinen Wünschen und Erlebnissen bekam.

Das bleibt das Geheimnis deiner Vorweihnachtszeit. Denn die Adventszeit ist eine Zeit der Vorfreude, der Geheimniskrämereien. Nimm es hin. Wir sind uns mehrmals begegnet. Psst, kein Wort mehr darüber.

Als Abschiedsgruß wünsche ich dir die Liebe deines Lebens.

Dein Mr. X«

Nun endete also der Kalender. Mit mehr Unwissenheit als zu Beginn für mich. Die große Aufklärung fehlte. Den Ersteller des Kalenders getroffen zu haben, ohne ihn zu erkennen, das stürzte mich in Selbstzweifel, aus denen ich von einem Bediensteten des Hotels gerissen wurde.

»Frau Meyer, bitte kommen Sie mit. Die Abendvorstellung beginnt in wenigen Minuten.«

»Ich komme sofort.«

Ein Traum von einem Mann im Bett. Eine der Köstlichkeiten, die ich mir hier gegönnt hatte. Aber bestimmt nicht nur ich. Schnell zog ich den Hauch von Seide über meinen gebräunten Leib und folgte ihm in den … Speisesaal, den wir links liegen ließen, zu einem anderen Gebäude. Das Licht in gedämpfter Atmosphäre hieß mich willkommen. Eine junge Frau verbeugte sich vor mir.

»Frohe Weihnachten. Sie dürfen sich ein Geschenk aussuchen. Hinter diesen Vorhängen befinden sich drei zur Auswahl. Suchen Sie sich bitte eines aus, Sie dürfen auch vorher testen.«

Ein Geschenk nach einem Test aussuchen? Das fand ich interessant. Nur was wäre es?

Dieses Geheimnis lüftete sich alsbald, weil drei Erektionen aus den Vorhängen lugten.

»Nach dem Aussehen gefallen mir alle drei.«

»Sie müssen sie testen. Er muss zu Ihnen passen.«

Herrlich, einen Mann im Griff zu haben

Männer ausprobieren. Der Sex der letzten Wochen hatte mich gesättigt. Und was sollten diese Steifheiten mit der Liebe meines Lebens zu tun haben? Das gehörte in den Bereich der Gefühle, nicht nur zum körperlichen Sex.

Aber der Anblick der Männlichkeiten, die in den Raum hineinragten, befeuchtete meine Scham. Ein letztes Mal noch. Weil … manchmal sollte ich nicht so viel nachdenken, sondern machen.

Ich stellte mich vor den ersten Vorhang, ergriff das Glied, das sich mir anbot und streichelte es. Ein leichtes Zucken durcheilte es. Herrlich, einen Mann im Griff zu haben. Mein Verlangen nach mehr wuchs. Schnell umgedreht, bückte ich mich und vereinigte meinen Unterleib mit dem seinen. Oh, wie wunderbar. Kribbeln überall.

»Sie dürfen sich einen aussuchen, nicht alle. Bitte finden Sie Ihr Geschenk des Abends.«

Herrisch wie eine Domina klang plötzlich die Stimme der jungen Frau, die zart und unscheinbar erschien.

»Ja, ja, ist gut.«

So verließ ich den Freudenspender, um auch die beiden anderen zu betrachten, fühlen und spüren. Sie waren alle toll. Eine Entscheidung zu treffen, zeigte sich schwierig. Weitere Versuche gestattete die junge Frau mir nicht.

»Sie müssen doch wissen, was Ihnen gefällt. Oder sind Sie etwa wahllos bei Ihren Liebhabern? Man findet doch nur die eine Liebe im Leben. Die will sorgsam ausgewählt sein.«

Oh, was war sie hart und unerbittlich. Ich entschied mich für den Zweiten. Ein bisschen erinnerte sein Penis mich an etwas Bekanntes und Vertrautes.

»Dann gehen Sie jetzt in Ihr Zimmer zurück, Ihr Auserwählter wird Ihnen bald folgen.«

Darf ich erwähnen, dass ich niemals zuvor ein derart eigenartiges Weihnachtsgeschenk erhalten habe? Aber aufgrund ihrer herrischen Art fügte ich mich ihren Worten und verschwand in mein Zimmer und legte mich auf die kühlen Laken. Und schlief ein beim Warten.

Das nächste Erwachen

Als ich erwachte, war es duster. Die Räumlichkeiten, in denen ich mich befand, erinnerten mich an zuhause. Benommen bemerkte ich eine Erektion an meinen Pobacken. Finger spielten an meinen Schamlippen herum und verteilten meine Feuchtigkeit. Das Prickeln im Bauch steigerte sich. Wer auch immer hinter mir lag, gefühlvoll war er. Wusste, wie er mit mir spielen konnte und eroberte ganz schnell meine Öffnung, um dort auf wundersame Weise meine Liebesquelle zum Sprudeln zu bringen.

Mein Herz raste, mein Atem stockte, um anschließend keuchend aus meinem Mund zu dringen.

Der Moment der Vereinigung presste mir die Luft aus den Lungen. So vertraut war mein Gegenstück, das ich es nicht glauben konnte. Ich wollte den Kopf drehen, aber er verhinderte es. Kräftig stieß er seine Härte in meine willige Weichheit und brachte mich zu den Höhen der Lust.

Das nächste Erwachen. Kaffeeduft zog in die Nasenlöcher und meine Augenlider hoben sich langsam. Ja, ich war wieder in meiner Wohnung. Die Erinnerung an den Rückflug fehlte. Frische Brötchen an Weihnachten? Und das Geschirr klapperte auch. Wer machte in meiner Küche Frühstück?

»Schatz, möchtest du ein Frühstücksei?«

Diese Stimme, sie kam mir bekannt vor. Stefan!

Wie kam er hierher? Und warum? Wir trennten uns doch vor mehr als einem Jahr. Aufgrund von Nichtigkeiten, keine anderen Personen, die unsere Beziehung auseinandergebracht hätten.

Berührungen, Vertrauen, Geborgenheit

Mein Herz sprang vor Freude in die Luft. Sein Hiersein beruhigte mich und gleichzeitig erhob sich ein Kribbeln wie frisch verliebt. Er befand sich bei mir.

»Ja«, rief ich.

Mit einem großen Tablett kam Stefan ins Schlafzimmer.

»Fröhliche Weihnachten, mein Schatz.«

Was hatte ich verpasst?

Verwirrt schüttelte ich den Kopf.

Tausend Fragen rasten zur selben Zeit durch meinen Kopf. Ein weiteres Mysterium öffnete seine Pforten. Seine Anwesenheit konnte ich mir einfach nicht erklären und trotzdem genoss ich sie. Behielt die Fragen bei mir. Nichts sollte diesen kostbaren Moment zerstören.

Gegenseitiges Füttern und immer wieder strichen die Finger über die Haut des anderen. Küsse der Zärtlichkeit, gehaucht und liebkosend. Die Stimmung war mit Liebe geschwängert. Das Verlangen nach körperlicher Vereinigung blieb fern. Die Nähe, Zweisamkeit genießen. Berührungen, die Vertrauen schufen. Geborgenheit, die ich lange vermisst hatte.

»Es ist schön, dich wieder bei mir zu haben, Stefan.«

»Ja, du hast mir auch gefehlt, mein Schatz.«

Der folgende Kuss verschmolz in inniger Umarmung. Das Zucken meines Unterleibs vernachlässigte ich. Unwichtig.

»Ich bin so glücklich, dass wir wieder beisammen sind«, sagte Stefan, als wir unser langes und romantisches Frühstück beendet hatten.

In meinem Kopf erschienen Fragezeichen. Es fehlte eine Zeitspanne.

»Ja, ich auch«, erwiderte ich, da ein Zugeben meiner Unkenntnis unserer neuen Beziehung alles zerstört hätte.

»Warum?«

Das erstaunte Gesicht Stefans machte mir deutlich, ich hatte es laut ausgesprochen. So ein Mist aber auch.

»Warum was?«

»Warum hatten wir uns eigentlich getrennt? Warum bist du hier? Wie haben wir uns wieder gefunden?«

Alle Fragen drängen hinaus, prasselten auf den mich verdutzt anschauenden Mann mit den braunen Augen, den ich liebte. So unendlich von ganzem Herzen liebte.

Noch ein Brief

»Geht es dir gut, Saskia? Du bist etwas blass um die Nase. Vielleicht ist es besser, du legst dich ein bisschen hin. Ich sage den Besuch bei meinen Eltern nachher ab.«

Ich verstand nichts mehr. Spürte nur dieses Vertrauen, die Geborgenheit und Wärme, die er ausstrahlte. Umschmeichelnd küsste er meinen Nacken.

»Ach, hier ist noch ein Brief. Ich vergaß, ihn dir gestern zu geben. Ohne Absender. Aber vorher sah ich einen alten Mann, der aussah wie ein Weihnachtsmann, durch die Haustür verschwinden. Vielleicht war er es ja.«

Stefan lachte und drückte mir den Umschlag in die Hand.

»Liebe Saskia,

Du hast eine wahrlich gute Wahl getroffen. Natürlich weiß Stefan nicht, wie du ihn ausgewählt hast. Dir werden auch einige Details fehlen, kümmere dich nicht darum. Genießt den Rest eures Lebens. Liebt euch. Lebt miteinander in Liebe und Harmonie. Vergiss die Vergangenheit und lass die Zukunft auf dich zukommen. Man existiert nur in der Gegenwart, sonst nicht. Erfahrungen helfen, diese umzusetzen, wie man sich das Leben wünscht. Der Mut gehört dazu, es auszuleben.

Die Liebe deines Lebens kommt tief aus dem Inneren. Sex kann dazu gehören. Muss es aber nicht. Sich wohlfühlen, warm und geborgen, geschützt, das macht viel mehr aus.

Stefan wird bei dir bleiben, weil er deine Schwächen kennt. Er liebt dich. Nur wer die Schwächen des anderen akzeptieren kann, liebt aufrichtig.

Dein Mr. X«

Die Zeilen gingen mir nahe und Tränen rollten über die Wangen.

»Was stand darin, dass du so traurig bist?«, fragte Stefan, als er wieder das Schlafzimmer betrat.

»Nein, ich weine nicht, weil ich traurig bin. Dieser Brief macht mich unendlich glücklich. Komm her. Ich will dir ganz nahe sein und dich nie wieder fortgehen lassen. Ich liebe dich. Frohe Weihnachten.«

Eure Doris Anbetracht


© Copyright · Autor: Doris Anbetracht | · Fotos: Luca Felix

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