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Das Paket der Träume

xmas special Adventskalender Frau mit String 1

Weihnachten ist eines der Feste, die ich so sehr mag. Ein Tannenbaum, der herrlich duftet. Kerzen, die gemütlich warm flackern. Leckereien, deren würzigen Gerüche durch die Wohnung schweben. Und am schönsten ist das Ganze natürlich mit einem Partner, der sich mit einem auf dem Sofa oder im Bett aneinander kuschelt. Entsprechend bleibt es nicht nur beim Kuscheln, sondern intensiviert sich und Glückseligkeit lässt die Englein im Himmel hören.


Gastbeitrag © Copyright Doris Anbetracht


Nun ja, wenn man dann alleine ist, bleibt es bei den Dingen, die man auch ohne Partner erleben kann. So ging es mir letztes Jahr. Nach einer längeren Beziehung hatten mein Freund und ich uns getrennt, einvernehmlich, ohne jeglichen Rosenkrieg. Dennoch knabberte der Trennungsschmerz an meiner Seele und so richtig stimmungsvoll kam mir im Herbst entsprechend die aufkommende Adventszeit nicht vor. Tiefe Einsamkeit kühlte mein Herz. Alles erschien so banal und trivial sowie konsumträchtig. Wo war das warme Gefühl hin, das mich bisher immer erfüllt hatte? Ich lebte in den Tag hinein wie jeden anderen auch. Aufstehen, fertigmachen, zur Arbeit gehen, einkaufen, essen und wieder schlafen. Ein Kreislauf, langweilig und routiniert.

Im November beschäftigten sich einige Kolleginnen ganz wuselig in Bezug auf Weihnachtsgeschenke. Was sie ihren Partnern und Familien besorgen würden und was sie selbst sich wünschten. Sobald ich das mitbekam, machte ich mich aus dem Staub. Schließlich war da niemand, den ich beschenken konnte oder umgekehrt.

So verstrich dieser graue, neblige Monat, der wunderbar zu meiner inneren Stimmung passte. Lustlos surfte ich durch die Reiseportale, um eventuell dem gesamten Weihnachtstrubel entfliehen zu können. Aber auch dort war nichts zu finden, was mich reizte.

Neugierig 

Am 30. November kam ich müde von der Arbeit nach Hause. Vor meiner Wohnungstür stand ein riesiger Karton. Da ich nichts bestellt hatte, konnte das nur ein Irrtum sein. Auf dem Adressaufkleber stand mein Namen, kein Absender dabei. Auch war kein Hinweis zu finden, wer das Paket zugestellt haben könnte, nur meine Adresse und ganz viele weihnachtliche Aufkleber sowie eine Warnung, so sah es aus:

Bitte erst am 01. Dezember öffnen ‼!

Nach dem Öffnen der Haustür zerrte ich das riesige Teil in meine Wohnung. Meine Nachbarn wollte ich jetzt nicht mehr nach dem Lieferanten befragen, dafür war es zu spät. Vorsichtig klopften meine Finger gegen die Pappe. Ein feines Klingeln antwortete mir. Irgendetwas war also auf jeden Fall da drin. Neugierig umrundete ich diesen gefüllten Hohlkörper und meine Neugier vertrieb die Müdigkeit.

Wer sandte mir so etwas? Mir fiel einfach niemand ein. Nach einem schnellen Abendessen und einer heißen Dusche vertrieb ich mir das Warten auf den Tages- und Monatswechsel mit Fernsehen. Was genau ich guckte, blieb mir unbewusst. Es rieselte in mein Gehirn und direkt wieder hinaus.

Als ich meine Augen öffnete, die Uhr sah, wusste ich, dass ich eingeschlafen war. Nun war es bereits der nächste Tag, der 1. Dezember und endlich durfte ich das Paket aufmachen. Bewaffnet mit einem Messer begann ich das Klebeband zu zerteilen. Davon existierte reichlich. Mit leicht zitternden Händen klappte ich die beiden Deckel zur Seite.

Vorfreude ist die schönste Freude

Mein Magen zog sich zusammen. Mein Körper vibrierte förmlich, als ich den Inhalt sah. Lauter kleinere und größere Päckchen waren darin verstaut. Und jedes trug eine Nummer. Wie ein junges Mädchen hüpfte ich durch die Wohnung. Ein Adventskalender. Die Freude war riesig in mir, ein bisschen von der Stimmung kam auf, wie es sich für diese Zeit gehörte. Unabhängig davon, dass ich immer noch nicht den Absender kannte. Allein das Geschenk an sich beschied mir ein wohliges warmes Gefühl ums Herz herum.

Schnell verteilte ich die Päckchen der Reihe nach in meinem Wohnzimmer. Sie sahen mehr aus, als eigentlich hätte in das Paket passen dürfen. Darüber wollte ich nicht nachdenken. Zu sehr kribbelte es in mir, die Nummer Eins öffnen zu können.

Ein Zylinder, der sich weich und nachgiebig anfühlte, aber einen harten Kern enthielt und das Geräusch vom Vortag wiederholte.

Er entpuppte sich als winzige Glocke und Brief, eine Einleitung auf den Kalender für die nächsten 23 Tage.

»Liebe Saskia,

du wunderst dich sicherlich, warum und wer dir diesen Kalender zukommen ließ. Nein, ich verrate es dir nicht. Nicht jetzt. Du weißt doch, Vorfreude ist die schönste Freude. Und wer zu viel weiß, kann sich nicht mehr freuen, weil die Überraschung verschwunden ist.

Was ich dir verraten werde, ist, du wirst in den nächsten 23 Tagen viele Überraschungen erleben. Viele deiner geheimsten Wünsche können in Erfüllung gehen, wenn du sie zulässt. Es wird also an dir liegen, was du aus den einzelnen Tagen machen wirst.

Sobald du die Glocke bewegst, beginnt der Kalender seine Kraft zu entwickeln, um dir Freude zu bereiten.

Dein Mr. X«

Glatter kühler Stoff

Dass ich nun noch neugieriger war, muss ich wohl niemandem erzählen. Die Erfüllung meiner geheimsten Wünsche, die wusste doch keiner außer mir, selbst Stefan waren sie niemals alle bekannt gewesen. Weil es ja nicht schaden konnte, nahm ich das Glöckchen und sein wunderschöner Klang erschall durch die Wohnung. Mehr geschah nicht.

Nach dem Frühstück ging ich wie gewohnt arbeiten, aber in mir herrschte so langsam die vorfreudige Stimmung, die die Adventszeit mit sich brachte. So beendete ich auch alles etwas früher als in den Tagen zuvor und kaufte in dieser wunderbaren Stimmung Kerzen, beim Bäcker Plätzchen und Tannenzweige in der Gärtnerei. Ja, ich wollte intensiv durch diesen Adventskalender hindurch. Zuhause schmückte ich meine Wohnung und genoss das wunderbare Kerzenlicht. Normalerweise hätte ich gedacht, nicht einschlafen zu können vor lauter Aufregung auf das nächste Öffnen, aber kaum lag ich im Bett, fielen die Augen zu und ich entschlummerte bis zum Wecker.

Noch während ich auf der Toilette saß, zerriss ich das Band, das mein nächster Tag bereit hielt. Der glatte kühle Stoff, der daraufhin durch meine Finger glitt, war sündig rot und mit feinster Spitze verziert. Ein BH, so leicht, dass man ihn kaum vom Gewicht her spürte. Schnell zog ich mein Nachthemd aus und das Wunderwerk über. So zart dieser auch in der Hand schien, so passte er perfekt und stützte meinen Busen ausreichend ab, ohne ihn einzuengen. Ein kleines Wunder, denn für gewöhnlich rannte ich ewig durch die Lingerie, um ein halbwegs passendes Teil zu finden.

Wohlfühlfaktor

Im Spiegel bewunderte ich meine Silhouette. Ein Dekolletee, wie es schöner nicht aussehen konnte. Nichts hing, nichts quoll irgendwo heraus. Ein Wohlfühlfaktor und dann auch noch mit meiner Lieblingsfarbe. Ich behielt ihn gleich an und schwebte förmlich vergnügt durch diesen Tag.

Nun will ich nicht mit den täglichen Berichten langweilen. Nur ein paar Highlights herauspicken und ich denke, man kann sich vorstellen, dass meine Stimmung sehr adventlich wurde, weil jedes Päckchen einen Wunsch erfüllte, geheime wie bekannte. Ich schwebte also durch diese Zeit.

Dem BH folgten ein dazu passendes Höschen aus derselben Seide und Farbe. Seidenstrümpfe in schwarz, die ziemlich verrucht aussahen. Schwarze High Heels, nicht ganz so hoch, da mein Schenkender offenbar wusste, dass Knochenbrüche nicht mein Ding sind.

Nikolaus, der 6. Dezember, ein Tag, den sie so schnell nicht mehr vergessen wird. Vorsichtig öffnete sie das kleine Päckchen, mehr ein Umschlag denn ein Karton. Glory Holes, funkelnde Sterne, intime Sehnsüchte schießen ihr durch den Kopf. Werden diese erfüllt?

Das erfahrt ihr in Saskias Adventskalender Teil 2 >>>

Eure Doris Anbetracht


© Copyright · Autor: Doris Anbetracht | · Foto: Efes Kitap auf Pixabay

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